WWF sieht noch reichlich Nachholbedarf

In Sachen entwaldungsfreie Lieferketten hinken die deutschen Unternehmen ihrer internationalen Konkurrenz hinterher. Das geht zumindest aus einer stichprobenhaften Untersuchung hervor, die der World Wide Fund for Nature (WWF) am Karsamstag vorgelegt hat. Die Umweltorganisation attestiert Nachholbedarf bei den Zielsetzungen und große Schwächen bei der Umsetzung. "Freiwillige Selbstverpflichtungen stoppen die Kettensägen nicht", erklärte die WWF-Referentin für nachhaltige Agrarrohstoffe, Maja-Catrin Riecher. Daher müsse ein europäisches Gesetz zum Stopp der globalen Entwaldung sicherstellen, dass Rohstoffe und Produkte mit Naturzerstörungspotential von allen Marktteilnehmern bis zum Feld zurückverfolgt werden könnten.
Konkret hat der WWF im Rahmen einer "Entwaldungs-Scorecard" mit Blick auf Palmöl, Soja, Kakao und Rinderprodukte abgefragt, inwieweit 27 deutsche Unternehmen den Schutz vor Waldzerstörung in ihre Lieferketten integriert haben. Laut der Organisation zählen die genannten Rohstoffe zu den Haupttreibern der globalen Entwaldung, Degradierung und Umwandlung von Ökosystemen. Rückmeldungen erhielt der WWF von 15 der 27 angefragten Unternehmen. Eine umfassende Selbstverpflichtung zu entwaldungsfreien Lieferketten, die auch andere wichtige Ökosysteme vor Umwandlung schützt und alle Rohstoffe und Lieferketten betrifft, konnte demnach lediglich Lidl vorlegen. Mit Beiersdorf, Kaufland und Metro hätten sich drei weitere Firmen zu entwaldungs- und umwandlungsfreien Lieferketten bekannt, dabei aber nicht alle Rohstoffe und deren gesamte Lieferketten berücksichtigt.

Insgesamt besteht deshalb für den WWF noch "deutlich Luft nach oben", da auch die Unternehmen mit den besten Ergebnissen bei der Gesamtbewertung nur zwischen 67 % und 61 % erreicht hätten. Im Vergleich der Rohstoffe habe sich gezeigt, dass vor allem der Herkunft des Palmöls Aufmerksamkeit geschenkt werde. Der Rohstoff gelte "als Ergebnis jahrelanger Naturschutz-Kampagnen" inzwischen auch in der Öffentlichkeit als problematisch. Bei Soja und Kakao hingegen konnte laut WWF nur jeweils ein Unternehmen zurückverfolgbare Lieferketten vorweisen, so dass sich die Herkunft des Rohstoffs klar zuordnen lasse. Auch bei Rinderprodukten wie Fleisch, Nebenprodukten für Tierfutter oder Gelatine sei die Rückverfolgbarkeit gering.

Besser schnitten die Unternehmen der Umweltorganisation zufolge bei der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht ab. Dazu beigetragen haben dürften nach Einschätzung des WWF die international anerkannten UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte und die ab 2023 gesetzlich bestehenden Berichtspflichten im Rahmen des deutschen Lieferkettengesetzes. AgE


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