Scharfe Kritik am Bundeslandwirtschaftsministerium wegen dessen "Vernachlässigung der Wertschöpfungsoption aus tierischen Nebenprodukten" hat der Verband der Verarbeitungsbetriebe Tierischer Nebenprodukte (VVTN) geübt. In einem heute veröffentlichten Memorandum fordert der Verband das Ministerium auf, aktiv für die möglichst hochwertige Nutzung tierischer Nebenprodukte einzutreten. Gemeint ist damit unter anderem offenbar, die früher übliche Praxis der Verfütterung von Tiermehl aus Schweinen und Geflügel wieder zuzulassen.
Der VVTN weist darauf hin, dass bis weit in das 20. Jahrhundert bei Hausschlachtungen praktisch das ganze Tier verwertet worden sei. Das Bevölkerungswachstum und die arbeitsteilige Lebensmittelgewinnung hätten die Lebensmittelproduktion aus Tieren wachsen lassen und zu einem beträchtlichen Anfall von Nebenprodukten geführt, die in der Lebensmittelkette nicht mehr benötigt würden. "Es ist eine ethische Verpflichtung, Tiere, die zum menschlichen Verzehr geschlachtet werden, möglichst hochwertig zu nutzen. Dies gilt auch für Nebenprodukte", betont der VVTN.
Der Verband unterstreicht, dass die Systeme der Rückverfolgbarkeit funktionierten und die Sicherheit der aus Nebenprodukten gewonnenen Futtermittel gewährleisteten. Hinzu kämen eine lückenlose Dokumentation und nicht zuletzt eine umfassende Veterinärüberwachung. Die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) verbiete nur die Nutzung des von Wiederkäuern gewonnenen Proteins in Wiederkäuerfutter. Die Verfütterung von aus Schweinen und Geflügel gewonnenem Protein unterliege dagegen weltweit keinen Beschränkungen - nur eben in der EU.
Aus einem Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ergebe sich, dass unter natürlichen Bedingungen keinerlei Transmissible Spongiforme Enzephalopathie (TSE) in Schweinen und Geflügel habe ermittelt werden können. Dementsprechend habe sich auch das Europaparlament für die Aufhebung des aktuellen Verfütterungsverbots eingesetzt, hebt der VVTN hervor. Er gibt zu bedenken, dass dieses Votum als ein Beitrag zur Green-Deal-Politik und zur Farm-toFork-Strategie zu betrachten sei. Dadurch würde die Proteinversorgung des EU-Viehbestandes nachhaltiger gestaltet, indem importiertes Soja- und Fischmehl durch hochwertiges Eiweiß aus lokalen tierischen Nebenprodukten ersetzt werden könnte.
Beklagt wird vom Verband außerdem, dass tierische Proteine der Kategorie 2 - nicht für Futtermittel geeignet - auch nicht in Düngemitteln exportiert werden dürften. Das Bundeslandwirtschaftsministerium zeige sich aktuell sehr zögerlich, einem Vorschlag der EU, den Export wieder zu erlauben, zuzustimmen. Ein Grund dafür sei nicht ersichtlich, so der VVTN. So bleibe am Ende nur die thermische Verwertung, was die Vernichtung von wertvollen Nährstoffen bedeute. AgE