Im September sind in Deutschland erneut weniger Schweine geschlachtet worden als im vergleichbaren Vorjahresmonat; allerdings fiel der Rückgang nicht mehr so stark aus wie im Sommer. Aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zufolge kamen im Berichtsmonat 4,56 Millionen Tiere an den Haken; das waren 95 100 Stück oder 2,0 % weniger als im September 2019. In den beiden Vormonaten war noch eine Abnahme von 5,6 % beziehungsweise 6,8 % festgestellt worden. In den ersten drei Quartalen 2020 ging das Schlachtaufkommen insgesamt um 1,09 Millionen Tiere oder 2,7 % zurück. Dabei verringerte sich das Angebot aus heimischen Ställen um rund 442 700 oder 1,1 % auf 38,06 Millionen Stück; die Zahl der hierzulande geschlachteten ausländischen Schweine nahm um 645 200 oder 25,0 % auf 1,93 Millionen und damit sehr viel stärker ab.
Neben verringerten Schweinebeständen und kleinerem Auslandsangebot hat auch die Corona-Pandemie mit temporären Werksschließungen und Kapazitätsbegrenzungen Einfluss auf die Schweineschlachtungen genommen. So ging von Januar bis September die Zahl der zerlegten Tiere in Nordrhein-Westfalen gegenüber der Vorjahreszeitraum um fast 1,12 Millionen oder 8,2 % auf 12,51 Millionen zurück. Maßgeblich dafür dürften auch die Produktionseinschränkungen bei Deutschlands größtem Schweineschlachtbetrieb - Tönnies in Rheda-Wiedenbrück - sein. In Niedersachsen wurde dagegen im gleichen Zeitraum ein Anstieg der verarbeiteten Schweine um 1,3 % auf 13,57 Millionen Tiere verzeichnet, womit dieses Bundesland neue Nummer eins bei den Schweineschlachtungen wurde. Die coronabedingten Produktionsausfälle bei Tönnies in Sögel und bei Vion im Emstek werden sich erst in den Oktober-Zahlen bemerkbar machen.
Eng mit dem Thema Corona verknüpft ist auch der Anstieg der Schlachtzahlen in Sachsen-Anhalt gegenüber den ersten drei Quartalen 2019 um fast 10 % auf 3,74 Millionen Stück. Im Tönnies-Werk in Weißenfels kamen offenbar mehr Schweine an den Haken, die eigentlich für den Standort Rheda-Wiedenbrück vorgesehen waren. Im Süden Deutschlands nahmen die Schweineschlachtungen in Baden-Württemberg im Vorjahresvergleich um 0,9 % zu, in Bayern dagegen um 2,9 % ab. Starke Veränderungen gab es in Ostdeutschland, wo nach der Schließung von Standorten die Zahl der verarbeiteten Schweine in Mecklenburg-Vorpommern um 90 % auf nur noch 23 300 Tiere einbrach; in Thüringen sank das Schlachtaufkommen um 69 % auf 196 000 Stück. Einige der dort anfallenden Schweine wurden nach Brandenburg geliefert; dort wurden mit 1,15 Millionen Stück gut 30 % mehr Tiere geschlachtet. AgE